Meine SZ-WELT


Nur wer Qualitätsmedien liest, kann auch Gehaltvolles schreiben. Für einen Redenschreiber ist vor allem die aktuelle Tagespresse ein täglich Brot. Zwei überregionale Zeitungsmarken, die mir nicht nur aufgrund meiner dort absolvierten Hospitanzen besonders ans Herz gewachsen sind, sind die "Süddeutsche Zeitung" (www.sueddeutsche.de) und         "Die Welt/Welt am Sonntag" (www.welt.de). An dieser Stelle möchte ich Ihnen unter der Headline "Meine SZ-WELT" jeweils fünf komprimierte Filetstücke aus den aktuellen Ausgaben präsentieren. Vielleicht fällt Ihnen damit die Qual der Wahl beim Zeitungs-/App-In-Kauf etwas leichter. Zu unserem Angebot zählen übrigens auch Medienanalysen.



"Süddeutsche Zeitung" vom Freitag, 25.05.18 ganz komprimiert

Der Aufmacher (von Alan Cassidy und Christoph Neidhardt) Donald Trump hat das lange geplante Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un abgesagt, obwohl Pjöngjang als Zeichen des guten Willens zuvor sein Atomtestgelände in Punggye-ri im Beisein ausländischer Journalisten zerstört hat. Der US-Präsident begründete diesen Schritt in einem offenen Brief mit der "enormen Wut und den offenen Feindseligkeiten" des nordkoreanischen Regimes. Im Interesse beider Länder, aber zum Nachteil der ganzen Welt finde der Gipfel deshalb nicht statt. Nordkorea habe die große Gelegenheit verpasst, zu Frieden und Wohlstand zu kommen.

Der Kommentar des Tages (von Helmut-Martin Jung)

Die Digitalisierung ist eines der wichtigsten Projekte der neuen Regierung. Mit der Umsetzung aber hapert es - Deutschland läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Der Autor findet: "Gezielt gefördert werden sollten Gründungen, vor allem in Zukunftsfeldern wie künstlicher Intelligenz (KI). Unter den 100 weltweit am höchsten bewerteten KI-Start-ups ist keines aus Deutschland. Es gibt sehr gute Forschung in Deutschland, aber es hapert an der Umsetzung in Produkte und Geschäftsideen. Es braucht also weiter Forschungsförderung, aber vor allem mehr Hilfe und weniger Bürokratie bei der Gründung von Unternehmen."

Das Interview des Tages (mit Natalie Stoß)

Die twitternde Krankenschwester spricht im SZ-Interview über Produktivität in der Pflege, australische Verhältnisse und die Akademisierung des Pflegeberufes. "Ich bin dafür, das zu einem Studienberuf zu machen, zumal dadurch auch das Ansehen der Pflegekräfte steigen wird und wir so auf eine ähnlich hohe Hierarchiestufe wie die Ärzte gelangen könnten. Das würde auch helfen, von dieser klassischen Rollenverteilung wegzukommen: Männer werden Ärzte, Frauen Krankenschwester. Nötig wäre auch, besser über unseren Beruf aufzuklären. Es gibt diese Klischees, dass wir Kaffee trinken, Pos abwischen und Schmerzmittel verteilen. Dass wir viel mehr tun, ist vielen gar nicht bewusst."

Der Sportler des Tages (von Sebastian Leisgang)

Helmut Hack, 68, hätte jetzt Freiraum - denn er ist von seinen Ämtern bei der SpVgg Greuther Fürth zurückgetreten. Nach 22 Jahren. All die Zeit war Hack nicht nur Präsident und Geschäftsführer des Vereins, er war nicht nur das Gesicht - er war auch Herz, Seele und Großhirn der Spielvereinigung. Er hat den Klub vor über zwei Jahrzehnten gezeugt, ausgetragen und in die Welt gesetzt. Er hat ihn großgezogen, bis er 2012 in der Bundesliga auf einmal den großen Jungs gegenüberstand.

Überm Strich! Auf Online bauen (von Jochen Bettzieche)

Der amerikanische Unternehmer und Ingenieur Perry Daneshgari hat den Bausektor mit anderen Branchen verglichen: "Während die Produktivität im produzierenden Gewerbe in den vergangenen hundert Jahren um 400 Prozent zugelegt hat, ist sie in der Bauindustrie bestenfalls gleich geblieben oder gar gesunken." Die Folgen: Autos sind in den vergangenen hundert Jahren gemessen am Pro-Kopf-Einkommen immer günstiger geworden. Sie kosten nur noch ein Viertel. Für ein Eigenheim zahlt man hingegen mittlerweile das Doppelte. Dabei wäre technisch bereits vieles möglich. So berechnen beispielsweise in der Textilindustrie seit Jahrzehnten Computer ideale Schnittmuster, um den Verbrauch gering zu halten. Gleiches ginge auch auf dem Bau. So wäre es möglich, dass ein Computer für Fliesen ähnlich rechnet. Diese kämen dann zugeschnitten auf die Baustelle und müssten nur noch nach Vorlage verbaut werden. Stattdessen vermisst der Fliesenleger Fliese für Fliese, geht vor die Tür, schneidet sie zu, bringt sie zurück, baut sie ein. Ähnlich bei der Holzverschalung einer Außenwand. Ein Arbeiter misst und befestigt die Latten, einer sägt sie auf Zuruf zu und einer reicht sie an. Die kleinen Handwerks-betriebe tun sich jedoch oft schwer, umzudenken.


"Die Welt Edition App" am Freitag, 25.05.18 ganz komprimiert

Ein Aufmacher (von Michael Fabricius)

Je teurer das Wohnen in den zentralen Lagen der Städte wird, desto größere Kreise ziehen die Menschen bei ihrer Suche nach einer neuen Bleibe. Das führt dazu, dass sie immer größere Strecken zurücklegen, um vom Zuhause zur Arbeit und wieder zurück zu kommen. So entwickelt sich Deutschland weiter zur Pendlerrepublik und steht jeden Morgen und jeden Abend in immer längeren Staus.

Wer einen besonders weiten Weg hat, konnte sich am Ort des Arbeitsplatzes bisher ganz gut mit einer Zweitwohnung behelfen. Doch auch diese wird nun immer kostspieliger.

Der Kommentar des Tages (von Thomas Straubhaar)

Kommende Woche tritt in Hamburg ein Dieselfahrverbot in Kraft. Das Groteske daran ist, dass nicht einmal versucht wurde, verfügbare smarte Technologien anzuwenden, um die Spitzen bei den Abgaswerten anders zu senken. Der Autor findet: "Intelligentes Mobilitätsmanagement, anstatt mit plumpen Fahrverboten den Stillstand zu provozieren, müsste zum Leitprinzip integrierter Verkehrssysteme im digitalen Zeitalter des 21. Jahrhunderts werden. Moderne Satellitentechnologie ermöglicht mit geringem Aufwand, private wie öffentliche Diesel- wie Benzinfahrzeuge ganzheitlich, integral und nachhaltig zu organisieren."

Das Interview des Tages (mit Robert Habeck)

Der Grünen-Parteichef spricht über die Berliner Hausbesetzer, Forderungen nach Enteignungen und die Situation auf dem Immobilienmarkt. "Wir müssen die Wohnungsnot bekämpfen. Spekulation auf Kosten der Menschen gehört sich nicht. Wenn Häuser jahrelang leer stehen, während die Wohnungssituation so prekär ist, ist das einfach unanständig. Zum Schutz des Eigentums gehört eben auch, dass Eigentum verpflichtet. Wir können doch nicht dulden, dass Immobilienspekulanten die Preise in die Höhe treiben. [...] Über Share Deals dürfen große Wohnungsbestände ohne Grunderwerbsteuer weiterverkauft werden, während jeder Hauskäufer brav seine Steuerprozente berappt."

Der Sportler des Tages

Radprofi Andre Greipel ist seiner Favoritenrolle auf der 88. Ausgabe der Belgien-Rundfahrt gerecht geworden. Der Rostocker vom Team Lotto-Soudal setzte sich auf der rund 179 Kilometer langen Strecke in Buggenhout im Sprint knapp vor dem Italiener Riccardo Minali und Tim Merlier (Belgien) durch. Der 35-Jährige hatte sich im März bei Mailand-Sanremo das Schlüsselbein gebrochen und erst Anfang Mai sein Comeback gegeben.

Überm Strich! Wachsender Wohlstand (von Dorothea Siems) "Die soziale Ungleichheit schadet dem Wirtschaftswachstum.“ Dies ist zuletzt das Mantra, das der Internationale Wirtschaftsfonds (IWF) und die Industrieländerorganisation (OECD) verkünden. Der Kurswechsel der einst als knallharte Marktwirtschaftler bekannten Wirtschaftsorganisationen sorgte vor allem in Europa für Furore. Schließlich erhalten Gewerkschafter, linke Parteien, Populisten und Wohlfahrtsverbände Unterstützung durch die einflussreichen Ökonomen. Die These, dass höhere Steuern für Reiche und mehr staatliche Leistungen für Arme zu Wohlstandsgewinnen für die gesamte Volkswirtschaft führen, mag populär sein. Doch sie ist falsch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, gemeinsam mit Kollegen auf der Basis umfangreicher empirischer Berechnungen erstellt hat. Richtig sei vielmehr das Gegenteil. „In reichen Ländern geht Einkommensungleichheit mit Wirtschaftswachstum Hand in Hand. Nur in besonders armen Ländern lässt sich ein negativer Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Wachstum feststellen“, so die Ifo-Forscher. Für 110 Länder analysierten die Ökonomen, wie sich Wirtschaftskraft, Ungleichheit und Wachstum zwischen 1970 und 2010 entwickelt haben.



Redenschreiber J. Rieger. Diskret. Stilsicher. Verlässlich.