Meine SZ-WELT


Nur wer Qualitätsmedien liest, kann auch Gehaltvolles schreiben. Für einen Redenschreiber ist vor allem die aktuelle Tagespresse ein täglich Brot. Zwei überregionale Zeitungsmarken, die mir nicht nur aufgrund meiner dort absolvierten Hospitanzen besonders ans Herz gewachsen sind, sind die "Süddeutsche Zeitung" (www.sueddeutsche.de) und         "Die Welt/Welt am Sonntag" (www.welt.de). An dieser Stelle möchte ich Ihnen unter der Headline "Meine SZ-WELT" jeweils fünf komprimierte Filetstücke aus den aktuellen Ausgaben präsentieren. Vielleicht fällt Ihnen damit die Qual der Wahl beim Zeitungs-/App-In-Kauf etwas leichter. Zu unserem Angebot zählen übrigens auch Medienanalysen.



"Süddeutsche Zeitung" vom Freitag, 23.02.18 ganz komprimiert

Der Aufmacher (von S. Braun, A. Mühlauer und D. Brössler)

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hat Polen und Ungarn vor finanziellen Einbußen wegen rechtsstaatlicher Defizite gewarnt. Aus Sorge um die Unabhängigkeit der Justiz in Polen hatte die EU-Kommission im Dezember erstmals ein Verfahren wegen des Bruchs der Grundwerte in einem Mitgliedsland eingeleitet. Oettinger stellt nun eine Verbindung zwischen diesem Verfahren und dem künftigen Finanzrahmen her. Uneinigkeit herrscht darüber, ob die Milliardenlücke nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU auschließlich durch Einsparungen oder - wie von Oettinger gefordert - auch durch höhere Beiträge geschlossen werden soll.

Der Kommentar des Tages (von Stefan Ulrich)

Nein, Europa ist nicht zu teuer. Gestritten werden muss aber darüber, wofür es sein Geld ausgibt - und für wen. Die EU sollte nur Mitgliedern helfen, die ihre Prinzipien respektieren, findet der Autor: "Demokratie, Rechtsstaat, Pluralismus oder Pressefreiheit - sind nicht verhandelbar. Wer diese Werte ignoriert, verrät die Union und zersetzt sie von innen. Er kann dies nicht mit einem echten oder vermeintlichen 'Volkswillen' rechtfertigen. Stattdessen sollte er die EU verlassen. Dies wollen die nationalistischen Regierungen Polens  und Ungarns jedoch nicht - Europa ist profitabel. Und da die EU keine Möglichkeit hat, Mitglieder auszuschließen, muss sie da ansetzen, wo es wehtut."

Das Interview des Tages (mit Anke Stein)

Die Leiterin des Untersuchungsgefängnisses in Berlin-Moabit spricht im SZ-Freitagsinterview über den legalen Besitz von Geld im Knast, vielfach kritisierte Gefängnis-Neubauten und die Gewinn-Verlust-Rechnung des Strafvollzugs. "Einen Straftäter einzusperren, wird sich nie rechnen. Das wird immer Geld kosten. Der erste Tag der Haft soll der erste Tag der Resozialisierung sein. Wenn er danach wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, ohne eine Straftat zu begehen, sind die Kosten nicht hoch."

Die Sportler des Tages (von Volker Kreisl)

Es war der letzte von drei olympischen Wettkämpfen im kombinierten Sprung- und Langlauf: die Teamentscheidung. Für gewöhnlich möchte man als Konkurrent seinem Bezwinger während des Wettkampfes ja wenigstens mal begegnet sein. Doch die zweitplatzierten Norweger hatten am Anfang zwar mal den Rücken des Startläufers Vinzenz Geiger gesehen, mehr aber nicht. Danach folgten Fabian Rießle, Eric Frenzel und Johannes Rydzek.

Überm Strich! Antidepressiva (von Berit Uhlmann)

Daten von mehr als 100.000 Patienten sind in eine Studie eingeflossen und zeigen: Die gebräuchlichen Medikamente gegen Depressionen helfen. Doch nicht alle Patienten profitieren von den weit verbreiteten Mitteln. Die Verträglichkeit scheint auch akzeptabel zu sein. Nur eines der Mittel, Clomipramin, tolerierten die Patienten so schlecht, dass sie es deutlich häufiger vorzeitig absetzten als ein Scheinpräparat. Die beste Wirksamkeit beweist Amitriptylin, das bereits seit den 1960-er Jahren auf dem Markt ist und in Deutschland unter anderem den Namen Saroten trägt. Auf der anderen Seite ist dieser Klassiker schlechter verträglich als viele der neueren Mittel. Ein Experte kritisiert allerdings auch, dass Wirksamkeit und Verträglichkeit von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Zudem hat die Studie nur die Wirkung in den ersten acht Wochen einer Depression untersucht. Was langfristig hilft, lässt sich damit nicht beanworten.


"Die Welt Edition App" am Freitag, 23.02.18 ganz komprimiert

Ein Aufmacher (von Anja Ettel und Holger Zschäpitz)

Der türkische Präsident Erdogan rühmt sich mit zweistelligen Wachstumsraten und suggeriert damit, dass sein Land auch ohne gute Beziehungen zum Westen florieren kann. Jetzt wird eine Rangliste veröffentlicht, die ein ganz anderes Bild zeichnet. Im sogenannten Misery Index, einer Art Rangliste der schlimmsten Ökonomien der Welt, taucht sein Land ganz weit oben auf - und konterkariert damit die Versuche Erdogans, die wirtschaftliche Lage am Bosporus schönzureden. Das liegt vor allem an der Wirtschaftspolitik des Landes, die zu hoher Inflation und Arbeitslosigkeit geführt hat. Zuletzt lag die Teuerung bei 10,3 Prozent - genau wie die Arbeitslosenquote.

Der Kommentar des Tages (von Ralf-Dieter Brunowsky)

Mit seiner Entscheidung, die Jamaika-Verhandlungen abzubrechen, hat Parteichef Christian Lindner die FDP in die Bedeutungslosigkeit geführt. Die Enttäuschung der FDP-Wähler schlägt sich in den Umfragen nieder. Der Autor findet: "Lindner hat übersehen, dass die FDP Wähler an sich gezogen hat, die ganz schnell wieder weg sind, wenn sich Enttäuschung breitmacht. Standhaftigkeit hätte die FDP in einer Jamaika-Regierung zeigen können und müssen. Sie hätten die Steuerpolitik zugunsten der Mittelschicht beeinflussen, die Digitalisierung in die Hand nehmen können und das ordnungspolitische Erbe des Grafen Lambsdorff übernehmen können."

Das Interview des Tages (mit Horst Eckel)

Der letzte lebende Weltmeister von 1954 spricht im Welt-Interview über seine gute Fitness, die Chancen bei der WM in Russland und die Krise seines ehemaligen Klubs 1. FC Kaiserslautern. "Mich als Spieler hat es unglaublich stolz gemacht, für den FCK zu spielen. Wir sind Deutscher Meister geworden, die Stadt hat uns empfangen und mit uns gefeiert. Für alle Menschen in Kaiserslautern war dieser Klub etwas ganz Besonderes. Heute haben die Menschen Angst, dass es zu Ende geht."

Der Sportler des Tages (von Florian Haupt)

Dass Deutschland im olympischen Eishockey-Halbfinale gegen Kanada spielt, verdankt sie auch Bundestrainer Marco Sturm. Der ruhige Stratege überzeugt mit Authentizität und traute sich, neue Wege zu gehen. 2013 beendete Sturm eine Spielerkarriere, die ihn mit über 1.000 Einsätzen zu Deutschlands Rekordspieler in der NHL avancieren ließ. 2015 begann er ohne Trainererfahrung die zweite Karriere. 

Überm Strich! Bildungsausgaben (von Inga Michler)

Die Ausgaben pro Schüler an öffentlichen Schulen steigen massiv. Binnen zehn Jahren betrug das Plus über 40 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer geht die Schere allerdings weit auseinander. Schlusslicht ist Nordrhein-Westfalen mit gerade einmal 6.000 Euro pro Schüler. Auch Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und das Saarland kamen bei den Ausgaben auf untere Plätze. Spitzenreiter dagegen war Berlin. Die Hauptstadt ließ sich 2015 jeden Schüler an öffentlichen Schulen im Durchschnitt 8.900 Euro kosten. Es folgten Hamburg (8.600 Euro), Thüringen (8.300 Euro) und Bayern (7.800 Euro). Ein Grund für den massiven Anstieg der Ausgaben in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg dürfte der Ausbau der Ganztagsbetreuung sein. Vergleichsweise kostspielig sind zudem kleinere Klassen. Denn dort kommen rechnerisch weniger Schüler auf einen Lehrer. So stiegen in einigen ostdeutschen Bundesländern diese Ausgaben automatisch.



Redenschreiber J. Rieger. Diskret. Stilsicher. Verlässlich.