Meine SZ-WELT


Nur wer Qualitätsmedien liest, kann auch Gehaltvolles schreiben. Für einen Redenschreiber ist vor allem die aktuelle Tagespresse ein täglich Brot. Zwei überregionale Zeitungsmarken, die mir nicht nur aufgrund meiner dort absolvierten Hospitanzen besonders ans Herz gewachsen sind, sind die "Süddeutsche Zeitung" (www.sueddeutsche.de) und "Die Welt/Welt am Sonntag" (www.welt.de). An dieser Stelle möchte ich Ihnen unter der Headline "Meine SZ-WELT" jeweils fünf komprimierte Filetstücke aus den aktuellen Ausgaben präsentieren. Vielleicht fällt Ihnen damit die Qual der Wahl beim Zeitungs-/App-In-Kauf etwas leichter. Zu unserem Angebot zählen übrigens auch Medienanalysen.



"Süddeutsche Zeitung" vom Freitag, 16.11.18 ganz komprimiert

Der Aufmacher (von Björn Finke und Alexander Mühlauer)

Der Streit über den Austrittsvertrag stürzt die britische Regierung in eine Krise: Am Donnerstag trat Brexit-Minister Dominic Raab zurück, der das Abkommen mit Brüssel ausgehandelt hat. Er könne das Ergebnis nicht mittragen, teilte er mit. Zudem gaben die Arbeitsministerin und mehrere Staatssekretäre ihr Amt auf. Im Parlament verteidigte Premierministerin Theresa May den Vertrag, auf den sich London und Brüssel nach langen Verhandlungen geeinigt haben. Am Mittwochabend hatte das Kabinett dem Abkommen nach fünfstündiger Sitzung zugestimmt, allerdings äußerten viele Minister Kritik. Der Vertrag regelt die Bedingungen des Austritts.

Der Kommentar des Tages (von Benedikt Müller)

Wenn die Politik etwas bewegen will, muss sie die Verschmutzung bekämpfen, statt Grenzwerte hochzusetzen, findet der Autor: "Wenn die Bundesregierung Fahrverbote verhindern will, sollte sie also auch Staus auf den Autobahnen eindämmen, indem sie etwa den öffentlichen Nahverkehr und Fahrgemeinschaften stärkt. Zudem braucht es mehr Güterverkehr auf der Schiene und mehr umweltfreundlich angetriebene Lkw. Die Politik sollte Ursachen der Verschmutzung bekämpfen, statt den Grenzwert für Fahrverbote hochzusetzen, wie es die Regierung tun will. Zum anderen trägt gerade im Ruhrgebiet auch die Industrie zur Stickstoffbelastung bei."

Das Interview des Tages (mit Eva Glawischnig)

Die langjährige Chefin der österreichischen Grünen spricht über ihren neuen Job, die Kindheit in Kärnten und Gestaltungsmacht in der Politik. "Viele Politiker sehen es vor allem als ihre Aufgabe an, mit Ängsten, Stimmungen und Feindbildern Debatten am Laufen zu halten. Lösungen sind schwierig, komplex und brauchen Zeit. Dazu kommt, dass das nationale Korsett für viele Probleme gar nicht mehr passt. Steuerbetrug, Klimawandel, globale Konflikte sind ja auf nationaler Ebene nicht lösbar. Ich war deswegen immer eine Verfechterin eines starken Europas, weil nur auf dieser Ebene die großen Fragen verhandelt werden können."

Der Sportler des Tages (von Volker Kreisl)

Nach dem Trubel um seinen Olympiasieg muss Skispringer Andreas Wellinger von Neuem lernen, zwanglos zu springen. Überlegen ist nämlich ganz schlecht im Skispringen. Der Weltcup startet an diesem Wochenende zusammen mit rund 50 weiteren Weltcupspringern in Wisla in Polen in die Saison, und alle werden sie wieder mit diesem hinterlistigen Aspekt ihres Sports zu tun bekommen.

Überm Strich! Arme junge Menschen (von U. Heidenreich)

Wie lange jemand zur Schule Katholische Sozialarbeiter haben ermittelt: Jedem Vierten in Deutschland zwischen 18 und 24 Jahre droht Armut. Auf sich alleingestellt sind mit 18 Jahren auch die 180 000 Jugendliche, die in Heimen, in Wohngruppenoder bei Pflegefamilien aufwachsen. Laut "Monitor Jugendarmut" endet mit der Volljährigkeit für etwa 75 Prozent von ihnen die Möglichkeit, dort zu bleiben. Sie müssen ein neues Zuhause finden. Was nicht immer gelingt: Das Deutsche Jugendinstitut schätzt, dass 37 000 junge Erwachsene keine Wohnung haben und sich teils auf der Straße durchschlagen müssen. Dass Jugendarmut unter den Brücken wiederum nicht deutlich sichtbar ist, erklärt eine Expertin so: "Arme junge Menschen verdecken gekonnt ihre Situation. Sie legen oft besonderen Wert auf ihre Kleidung und ihr Äußeres, damit man ihnen die Armut nicht ansieht." Dringend fordert die Arbeitsgemeinschaft nun, die verschärften Regelungen für junge Menschen bei Hartz IV abzuschaffen - als ersten Schritt. Die unter 24-Jährigen bräuchten Hilfe statt Sanktionen.


"Die Welt Edition App" am Freitag, 16.11.18 ganz komprimiert

Ein Aufmacher (von S. Bolzen und C. Schlitz)

Der für Ende März 2019 vorgesehene Austritt aus der Europäischen Union hat Großbritannien in eine tiefe Krise gestürzt. Am Donnerstagabend war das politische Schicksal von Regierungschefin Theresa May völlig unklar, und damit auch das des Brexits. Am Donnerstagmorgen waren mehrere Minister zurückgetreten, die nicht einverstanden sind mit dem Ausstiegsvertrag, den May erst am Mittwochabend abgeschlossen hatte. Eigentlich soll er am 25. November bei einem Sondergipfel in Brüssel formal beschlossen werden. Der einflussreichste Rücktritt ist der von Dominic Raab, der als Brexit-Minister das fast 600-seitige Abkommen selbst ausgehandelt hatte.

Der Kommentar des Tages (von Johannes Vogel)

Die unfreiheitliche Einstellung vieler Grüner hilft nicht weiter, schreibt der FDP-Generalsekretär in NRW. Nachhaltigkeit spielt nicht nur bei der Umwelt eine Rolle, sondern auch in der Sozialpolitik. Und da bietet die Ökopartei wenig, findet der Autor: "Nicht nur die Erde, auch das Rentensystem haben wir von unseren Kindern nur geborgt. Wer aber auf Fairness zwischen den Generationen und Zielgenauigkeit beim Kampf gegen Altersarmut pocht, steht dieser Tage als Liberaler ziemlich alleine da. Und bedroht der aktuelle Handelskrieg des Weißen Hauses etwa nicht unsere Weltordnung? Trotzdem passte zeitweise kein Blatt zwischen den rechten Trump und die populistischen linken TTIP-Gegner. "

Das Interview des Tages (mit Peter Krauseneck)

Der Hirnforscher spricht im Welt-Interview über die Faszination Schach, Doping in diesem Sport und einen Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen. "Prinzipiell nicht. Es ist aber so, dass zum Beispiel kontaktscheue Menschen oder solche mit einer Neigung zum Autismus oder auch Geltungssucht von Dingen wie Schach eher angezogen werden. Man kann sich jederzeit intensiv damit beschäftigen, weil man nicht unbedingt einen zweiten Menschen dazu braucht. Es gibt dazu keine genaue Untersuchung, aber aus der Erfahrung heraus ist anzunehmen, dass man im Schachklub mehr solche Leute findet als beim Fußballspiel.

Der Sportler des Tages (von Jürgen Bröker)

Dimitri Van den Bergh präsentiert sich eineinhalb Wochen vor dem Finale um die Junioren-Weltmeisterschaft im Dart in herausragender Form. Der Belgier, der am 25. November in Minehead seinen Titel gegen Martin Schindler aus Strausberg verteidigen will, zog beim Grand Slam of Darts ins Viertelfinale ein. Beim 10:6 gegen den Engländer Stephen Bunting gelang dem 24-Jährigen der Neun-Darter.

Überm Strich! Italiens akademische Elite (von Virginia Kirst)

Seit der Finanzkrise ziehen italienische Wissenschaftler zu Zehntausenden ins Ausland, viele von ihnen nach Deutschland. Seit dem Jahr 2012 sind die Italiener die größte Gruppe unter den ausländischen Wissenschaftlern. Im aktuellsten ausgewerteten Studienjahr 2016 arbeiteten 3185 Italiener im deutschen Hochschulbetrieb. Doch nie zuvor war ihr Abstand zu den anderen Nationalitäten so groß wie jetzt: Die Italiener liegen ganze 17 Prozent vor den Chinesen (2615). Auf Platz drei und vier folgen Österreich (2481) und Indien (2257). Für die italienische Staatskasse und Wirtschaft sind das schlechte Nachrichten: Das Land investiert vier Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in die Ausbildung seiner Bürger, ist aber nicht in der Lage, sie zu halten. Darunter leiden Italiens Universitäten und Unternehmen. Die Regierung könnte das Problem mit wenigen Maßnahmen lösen. Um die Veränderung zu beschleunigen und den Auswanderungstrend umzukehren, müsste Italien zwei Dinge tun: Die Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden, gerade was Gehälter und Kinderbetreuung angeht.



Redenschreiber J. Rieger. Authentisch. Stilsicher. Verlässlich.