Meine SZ-WELT


Nur wer Qualitätsmedien liest, kann auch Gehaltvolles schreiben. Für einen Redenschreiber ist vor allem die aktuelle Tagespresse ein täglich Brot. Zwei überregionale Zeitungsmarken, die mir nicht nur aufgrund meiner dort absolvierten Hospitanzen besonders ans Herz gewachsen sind, sind die "Süddeutsche Zeitung" (www.sueddeutsche.de) und         "Die Welt/Welt am Sonntag" (www.welt.de). An dieser Stelle möchte ich Ihnen unter der Headline "Meine SZ-WELT" jeweils fünf komprimierte Filetstücke aus den aktuellen Ausgaben präsentieren. Vielleicht fällt Ihnen damit die Qual der Wahl beim Zeitungs-/App-In-Kauf etwas leichter. Zu unserem Angebot zählen übrigens auch Medienanalysen.



"Süddeutsche Zeitung" vom Donnerstag, 19.07.18 ganz komprimiert

Der Aufmacher (von Alexander Mühlauer)

Die Europäische Kommission hat gegen den US-Technologie-Konzern Google eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro verhängt. Das Unternehmen habe seine marktbeherrschende Stellung beim firmeneigenen Handy-Betriebssystem Android missbraucht, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel. Sie forderte Google auf, die Geschäftspraktiken zu ändern und mehr Konkurrenz zuzulassen. Nach Angaben der Brüsseler Behörde ist Android weltweit auf etwa 80 Prozent der Smartphones und Tablets installiert. Die Google-Entscheidung dürfte den Handelskonflikt zwischen der EU und den Vereinigten Staaten weiter verschärfen.

Der Kommentar des Tages (von Laura Hertreiter)

Das Urteil in Karlsruhe stärkt zu Recht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Doch wer Gebühren bekommt, muss auch Qualität liefern. Die Autorin findet: "Es zeigt ja gerade die Debatte um gefälschte Nachrichten, dass Journalismus mit der Digitalisierung nicht an Wert verliert, sondern gewinnt. Es ist eben nicht egal, woher eine Nachricht stammt - ob von einem anonymen Blog oder dem ZDF, das eine Abteilung zur Verifizierung von Nachrichten und Bildern betreibt. [...] Die Sender haben vor allem den Auftrag, hochwertige Information zu liefern; das Sensationelle und Populäre dürfe nicht zu sehr im Vordergrund stehen."

Das Interview des Tages (mit Markus Lewe)

Der Städtetagspräsident spricht im SZ-Interview über bezahlbaren Wohnraum, den Verkauf des Tafelsilbers und die Zweckmäßigkeit des Baukindergeldes. "Der Grundansatz ist sicher richtig, Eigentum zu fördern. Das Baukindergeld wirkt auf dem Land mehr als in der Stadt. Wir müssen in den Städten aufpassen, dass uns nicht die Mitte wegbricht - die jungen Familien vor allem, die einen zu großen Teil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben und irgendwann wegziehen."

Die Sportstätte des Tages (von Philipp Schneider)

Wenn am Sonntag am Hockenheimring die Zielfahne geschwenkt wird, verabschiedet sich Deutschland fürs Erste als Austragungsort aus der Formel 1. Ein Zehnjahresvertrag läuft aus, 2019 wird es keinen Großen Preis von Deutschland geben. Sollte Sebastian Vettel in diesem Jahr triumphieren, dann wäre er 2019 ein fünfmaliger Weltmeister, der in seiner Heimat nicht fahren dürfte. Ein König ohne Land.

Überm Strich! Nase zu und durch (von Felix Hütten)

Wer täglich in einer Großstadt mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, trägt mindestens morgens und abends die Sorge in sich, ob man wohl eines Tages an all den Abgasen zugrunde gehen wird, die man so einatmet. Stickstoffdioxid entsteht bei der Verbrennung in Motoren. Die zulässigen Grenzwerte werden, kein Wunder, an viel befahrenen Straßen häufig überschritten. In einer aktuellen Studie zeigt sich, dass Menschen, die einer hohen Belastung des Reizgases ausgesetzt waren, auch ein höheres Risiko hatten, einen Herzinfarkt zu erleiden. Allerdings war das Risiko jener Probanden vermindert, die regelmäßig Sport trieben. Schon moderates Fahrradfahren von etwa vier Stunden in der Woche zum Beispiel reduzierte das Risiko eines Herzinfarkts - auch unter Probanden, die regelmäßig Automief einatmen mussten.


"Die Welt Edition App" am Donnerstag, 19.07.18 ganz komprimiert

Ein Aufmacher (von Michael Gassmann)

Das Verfassungsgericht hat entschieden, dass der Rundfunkbeitrag rechtens ist. ARD und ZDF sind zufrieden, Kläger Sixt nicht. Die monatlich 17,50 Euro müssen die Bürger weiterhin zahlen. Ein üppiger Betrag, wie ein Vergleich zeigt. Nach einer Auswertung des Portals Warenvergleich.de sind die Rundfunkbeiträge seit 1995 deutlich stärker gestiegen als der Durchschnitt der Preise. „Während die Verbraucherpreise nur um 35,8 Prozent zugenommen haben, wuchs der Rundfunkbeitrag im selben Zeitraum um 70,2 Prozent“, heißt es in einer Mitteilung. Rund 90 Prozent des Geldes stammen aus dem privaten Bereich. Zahlungspflichtig sind fast alle Haushalte.

Der Kommentar des Tages (von Birgit Kelle)

Die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast will Werbung für Nutella verbieten, weil es Kindern schade – Werbung für Abtreibung aber erlauben, obwohl so Kinder getötet werden. Besser kann man grüne Doppelmoral nicht zusammenfassen, findet die Autorin: "Rauchen hat sich erledigt. Vegetarische Zwangsbeglückung durch den nationalen Veggie-Day ist gescheitert, dazwischen versuchte man sich an Alkopops, dem Teufelszeug Zucker, den verkaufsoffenen Sonntagen, am Fleisch in Kitas, Limonade in Schulen, Süßigkeitenwerbung im Fernsehen, Motorrollern, der 1. Klasse bei der Bahn."

Das Interview des Tages (mit Paul Marsden)

Der Psychologe spricht über Happy Nudges, das Glück in Bhutan und das deutsche Arbeitsmodell. "Interessanterweise ist das eine Sache, die ich in Bhutan gelernt habe. Dort glaubt fast jeder an den König. Die Gesellschaft ist in dieser Hinsicht altmodisch. Und der Glaube an den König und seine Entscheidungen scheint den Menschen ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit zu geben. Eine gewisse Ruhe. Das System wirkt stabil, und man selbst muss nicht jeden Tag aufs Neue beweisen, was man wert ist."

Der Sportler des Tages

Der britische Radprofi Geraint Thomas hat nach einer famosen Vorstellung seines Teams Sky das Gelbe Trikot der Tour de France erobert. Der Waliser sicherte sich am Mittwoch auf der 11. Etappe den Tagessieg. Im Gesamtklassement führt Thomas als neuer Leader und Nachfolger des erwartungsgemäß weit zurückgefallenen Greg Van Avermaet aus Belgien nun vor Froome und Dumoulin.

Überm Strich! Schäden in der Wohnung (von Andreas Weck)

Die Idee des Großraumbüros ist simpel: Offene Räume und gemischte Abteilungen sollen das Teamgefüge stärken. Dadurch, dass jeder mit jedem redet, kommt es zum Austausch. Kreativität und neue Impulse entstehen, wo Menschen miteinander sprechen. Diese große Verheißung hat eine Harvard-Studie jetzt aber entzaubert. Entgegen der Annahme führen Großraumbüros nicht zu mehr, sondern sogar zu deutlich weniger Kommunikation. Der positive Einfluss von räumlicher Nähe wird daher überschätzt. Interessant auch: Die räumliche Distanz zwischen den Kollegen hatte keinen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis. Statt die Kommunikation zu verbessern, wirkten Großraumbüros der Studie zufolge eher überstimulierend und lösen dadurch sogar eine Art Abwehrreflex aus.



Redenschreiber J. Rieger. Diskret. Stilsicher. Verlässlich.