Meine SZ-WELT


Nur wer Qualitätsmedien liest, kann auch Gehaltvolles schreiben. Für einen Redenschreiber ist vor allem die aktuelle Tagespresse ein täglich Brot. Zwei überregionale Zeitungsmarken, die mir nicht nur aufgrund meiner dort absolvierten Hospitanzen besonders ans Herz gewachsen sind, sind die "Süddeutsche Zeitung" und "Die Welt/Welt am Sonntag".

An dieser Stelle möchte ich Ihnen unter der Headline "Meine SZ-WELT" jeweils fünf komprimierte Filetstücke aus den aktuellen Ausgaben präsentieren. Vielleicht fällt Ihnen damit die Qual der Wahl beim Zeitungs-/App-In-Kauf etwas leichter. Zu unserem Angebot zählen übrigens auch Medienanalysen.



"Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag, 21.09.17 ganz komprimiert

Der Aufmacher (von Thomas Urban)

In Spanien ist ein Konflikt zwischen der Zentralregierung in Madrid und der Regionalregierung Kataloniens eskaliert. Zehn Tage vor dem geplanten Referendum über Kataloniens Unabhängigkeit nahm die Guardia Civil, nationale Polizeitruppe Spaniens, 14 Mitarbeiter der katalanischen Regionalregierung fest und beschlagnahmte zahlreiche Akten. Spaniens Verfassungsgericht in Madrid hatte den Volksentscheid für illegal erklärt. Regionalpräsident Puigdemont nannte die Maßnahmen der spanischen Justiz und Polizei gegen die Führung in Barcelona einen "Anschlag auf die Demokratie". 

Der Kommentar des Tages (von Markus Balser)

Die Pannenserie hat das Vertrauen in öffentlich-private Infrastrukturprojekte zu Recht erschüttert. Fassungslos macht, dass die demokratischen Kontrollmechanismen nicht funktioniert haben, findet der Autor: "Unter dem Verdacht, sich billig aus der Affäre ziehen zu wollen, stehen zuerst die Unternehmen. Während die Wirtschaft die Gewinne aus den teilprivatisierten Autobahnprojekten gerne einstreicht, will sie die Mehrkosten oder gar Verluste direkt an den Steuerzahler weiterreichen. Der eigentliche Vorteil öffentlich-privater Projekte, das Abwälzen von Risiken, ist damit dahin."

Das Interview des Tages (mit Volker Herres)

Der ARD-Programmdirektor spricht über Geschäfte mit dem Bezahlsender Sky, neue Formate sowie Quote und Qualität. "Ich habe das nie als Gegensatz empfunden. Es gibt manchmal ein Spannungsfeld zwischen Reichweite und Qualität, das schon, aber es schließt sich nicht aus. Für mich hat es immer die BBC auf die schönste Formel gebracht: Make the good popular and the popular good! Das ist unsere Aufgabe. [...] Wir sind sehr viel kompromissbereiter, Dinge zu machen, von denen wir wissen, dass sie nicht die ganz hohen Quoten erzielen werden."

Die Sportler des Tages

Der achtmalige deutsche Meister Borussia Dortmund ist am Ende des fünften Spieltags mit einem 3:0 gegen den Hamburger SV wieder Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Der Sieg war nicht nur der 750. Erfolg in der Bundesliga, sondern bedeutete auch einen interne Klubbestmarke: Noch nie blieb der BVB zu Beginn einer Saison so lange ohne Gegentor - jetzt sind es schon ganze fünf Spiele, also 450 Minuten.

Überm Strich! Mehr Kontrollen bei Lohndrückern (von T. Öchsner)

Sie tauchen unangemeldet auf Baustellen oder in Gaststätten auf, inspizieren Pflegeheime oder untersuchen Spediteure. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls prüft, ob Arbeitgeber den Mindestlohn erhalten, Schwarzarbeiter beschäftigen und Sozialversicherungsbeiträge korrekt bezahlen. Nun zeigen neue Zahlen der Bundesregierung: Die Zahl der Kontrollen hat im ersten Halbjahr 2017 deutlich zugenommen. Zugleich haben die Beamten deutlich mehr Firmen beim illegalen Lohndrücken erwischt. Allein wegen nicht gezahlter Mindestlöhne wurden im ersten Halbjahr 2017 2.433 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Für Arbeitgeber können solche Ordnungswidrigkeiten teuer werden: Wegen des Nicht-Einhaltens von Mindestlöhnen wurden 2017 bis Mitte des Jahres Bußgelder von fast 19 Millionen Euro fällig. Gewerkschaft und Opposition bemängeln allerdings, dass es zu wenige Kontrolleure gibt. Der Autor findet: "Freie Stellen sollten schneller besetzt werden. Wer bei der Finanzkontrolle spart, spart am falschen Ende."


"Die Welt Edition App" am Donnerstag, 21.09.17 ganz komprimiert

Ein Aufmacher (von Norbert Lossau)

Viele Menschen glauben, der Zeitpunkt von Erdbeben lasse sich vorhersagen. Doch das können Forscher nicht. Es lassen sich nur Risikogebiete benennen, in denen es immer wieder dazu kommen wird. Es liegt in der menschlichen Natur, überall nach möglichen Zusammenhängen zu suchen. Doch die Beben in Mexiko - jetzt und jenes vor knapp zwei Wochen mit einer Stärke von 8,1 - haben nichts mit den Hurrikanen in der Karibik zu tun und auch nichts mit der Rede von Trump vor den UN. Statt von den Forschern bessere Vorhersagen zu fordern, sollte besser in erdbebensichere Häuser investiert werden.

Der Kommentar des Tages (von Michael Gassmann)

Thyssenkrupp geht mit Tata Steel eine Fusion ein, um auf dem Weltmarkt zu bestehen. Die glanzvollen Zeiten sind vorbei. Heute zählen andere Wertstoffe. Der Autor findet: "Daten und digitale Netze sind die strategischen Güter von heute. Nüchtern betrachtet ist Stahl ein zwar bedeutender Werkstoff, doch einer unter vielen, der noch dazu unter ziemlich großem Konkurrenzdruck von Billiganbietern wie China und Russland auf der einen Seite und von Hightechmaterialien wie Kohlefasern auf der anderen Seite steht."

Das Interview des Tages (mit Daniel Günther)

Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein spricht im Welt-Interview über den Start seines Jamaika-Büdnisses, die Bedeutung von Kommunikation und die Frage, ob Schwarz-Gelb-Grün im Bund funktioniert. "Ich denke schon, dass unsere Verhandlungen in Schleswig-Holstein modellhaft waren. Es ging hier eben nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den drei Parteien. Sondern darum, dass jede einzelne Partei, der jeweils anderen zugestanden hat, auf für sie wichtigen Themenfeldern deutliche Akzente zu setzen."

Die Sportlerin des Tages

Die Niederländerin Annemiek van Vleuten stürzte beim olympischen Straßenrennen in Rio de Janeiro so schwer, dass es ein Wunder ist, dass sie noch lebt. Nach einem märchenhaften Comeback gewann sie nun WM-Gold. Auf der anspruchsvollen Strecke im norwegischen Bergen lag van Vleuten gut zwölf Sekunden vor ihrer Landsfrau Anna van der Breggen. Es ist eines der rührendsten Geschichten des Sportjahres.

Überm Strich! Der Kauf eines Ferienhauses (von Richard Haimann)

Vermietete Ferienimmobilien gelten als gutes Investment. Doch der nasse Sommer an den Küsten zeigt, wie groß die Risiken für Kapitalanleger sind können. Wie stark sich das schlechte Wetter in der Hauptsaison auf die Ertragslage der Vermieter von Ferienimmobilien an den deutschen Küsten unter dem Strich auswirken wird, lässt sich noch nicht absehen. Offenbar müssen Ferienhausinvestoren also nicht nur berücksichtigen, in welcher Lage ihr Lieblingsobjekt liegt und wie sie es vermarkten. Zunehmend müssen sie wohl ungewöhnliche Wetterlagen in ihre Kalkulation einbeziehen - was jedoch immer schwieriger wird. Sollten sich die Schlechtwetterkapriolen an der Küste in den kommenden Jahren wiederholen, könnte dies zu einem gravierenden Problem für jene Anleger werden, die ihre Ferienimmobilie überwiegend auf Kredit erworben haben und mit den Einnahmen aus der Vermietung Zins und Tilgung tragen wollen. In den Alpenregionen gibt es dieses Problem auch aufgrund des Wintersportarts nicht.



Redenschreiber J. Rieger. Diskret. Stilsicher. Verlässlich.