Meine SZ-WELT


Nur wer Qualitätsmedien liest, kann auch Gehaltvolles schreiben. Für einen Redenschreiber ist vor allem die aktuelle Tagespresse ein täglich Brot. Zwei überregionale Zeitungsmarken, die mir nicht nur aufgrund meiner dort absolvierten Hospitanzen besonders ans Herz gewachsen sind, sind die "Süddeutsche Zeitung" und "Die Welt/Welt am Sonntag". An dieser Stelle möchte ich Ihnen unter der Headline "Meine SZ-WELT" jeweils fünf komprimierte Filetstücke aus den aktuellen Ausgaben präsentieren. Vielleicht fällt Ihnen damit die Qual der Wahl beim Zeitungs-/App-In-Kauf etwas leichter. Zu unserem Angebot zählen übrigens auch Medienanalysen.



"Süddeutsche Zeitung" am Dienstag, 21.11.17 ganz komprimiert

Der Aufmacher (von D. Esslinger, C. Hickmann, M. Szymanski)

Nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche haben sich die Politiker am Montag in Berlin mit zwei Fragen beschäftigt: Wer hat Schuld, und wie geht es nun weiter? Bundespräsident Steinmeier gab deutlich zu erkennen, was er wenn irgend möglich vermeiden will: Neuwahlen zu veranlassen. Er rief die Parteien dazu auf, doch noch eine Koalition zu finden. Es ist das erste Mal in der fast 70-jährigen Geschichte der Bundesrepublik, dass Gespräche über die Bildung einer Bundesregierung gescheitert sind. Nun gibt es drei Möglichkeiten: Entweder solche Gespräche verlaufen doch noch erfolgreich. Oder Merkel führt eine Minderheitsregierung von CDU/CSU. Oder es gibt Neuwahlen.

Der Kommentar des Tages (von Ulrich Schäfer)

Kardinal Marx lehnt zu Recht das bedingungslose Grundeinkommen ab, findet der Autor: "Der Kardinal beruft sich dabei auf die katholische Soziallehre, wonach der Mensch sich nicht nur über den Glauben an Gott definiert, sondern auch über seine Arbeit, mit der er sich in die Gesellschaft einbringt. Papst Johannes II. hat das schon 1981 in seiner Enzyklika 'Laborem exercens' ausgeführt. Arbeit, schrieb er damals, sei aktive Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes. Es sei wichtig, dies dem Menschen auch dann zu ermöglichen, wenn immer mehr Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden." 

Die Rede des Tages (mit Frank-Walter Steinmeier)

Auszug: "Acht Wochen nach der Bundestagswahl sind die Sondierungen zu einer Regierungsbildung bisher ohne Ergebnis geblieben. [...] Das ist der Moment, in dem alle Beteiligten noch einmal innehalten und ihre Haltung überdenken sollten. Alle in den Bundestag gewählten politischen Parteien sind dem Gemeinwohl verpflichtet, sie dienen unserem Land. Ich erwarte von allen Gesprächsbereitschaft, um eine Regierungsbildung in absehbarer Zeit möglich zu machen. Wer sich in Wahlen um politische Verantwortung bewirbt, der darf sich nicht drücken, wenn man sie in den Händen hält."

Die Sportlerin des Tages (von Barbara Klimke)

Jana Novotna gewann 24 Tennisturniere, war Nummer zwei der Welt - und berühmt für ihre Tränen auf dem Centre Court, die die Verletzlichkeit der Profi-Seele offenbarten. Im Alter von 49 Jahren ist Jana Novotna an einem Krebsleiden gestorben. Novotna hat alle, die je selbst Niederlagen hatten verkraften mussten, daran erinnert, wie nahe Triumph und Verzweiflung beieinander liegen können.

Überm Strich! In Behandlung (von K. Becker und K. Ludwig)

Übung macht den Meister: Experten fordern, dass sich einige deutsche Kliniken auf bestimmte Eingriffe spezialisieren und andere schließen. Überall im Land kämpfen Krankenhäuser ums Überleben. Ihre Zahl ist seit den Neunzigerjahren schon um gut ein Fünftel gesunken, von 2.411 auf 1.951. Und sie wird wohl noch weiter sinken, denn eine Studie attestierte weiteren 20 Prozent der Häuser, dass sie auf wirtschaftlich wackeligen Beinen stehen. RWI-Forscher stellten bei jedem zehnten Krankenhaus eine "erhöhte Insolvenzgefahr" fest. Besonders schwer haben es Häuser, die in dünn besiedelten Gebieten stehen und vom jeweiligen Landkreis finanziert werden. Hat in der Bundesrepublik längst ein bedrohliches Krankenhaussterben eingesetzt? Eine Studie fand heraus: Nicht die reine Menge, sondern eine Spezialisierung der Kliniken sei entscheidend für die Qualität der Behandlungen. Den Forschern zufolge würden jährlich rund 140 weniger Menschen bei Hüftoperationen sterben, wenn sie in Kliniken behandelt werden würden, die diese Operationen häufiger als 176-mal im Jahr durchführen.


"Die Welt Edition App" am Dienstag, 21.11.17 ganz komprimiert

Ein Aufmacher
Sozialkompetenzen sind enorm wichtig für den Arbeitsmarkt. Deutsche Schüler sind im internationalen Vergleich recht gut darin, komplexe Probleme im Team zu lösen. In einer am Dienstag veröffentlichten PISA-Studie liegt Deutschland bei dieser Sozialkompetenz zwischen dem 10. und 14. Platz von gut 50 Bildungssystemen. Es ist das erste Mal, dass ein PISA-Leistungsvergleich diese Fähigkeit unter die Lupe nimmt. Spitzenreiter sind Singapur und Japan, Deutschland liegt etwa auf einer Höhe mit den USA, Großbritannien und Dänemark. Mädchen sind in allen Ländern besser darin, Problem im Team zu lösen. In Deutschland haben sie fast ein Jahr Vorsprung.

Der Kommentar des Tages (von Torsten Krauel)

Zum ersten Mal seit 1949 ist die einzige Koalition der Willigen mit einer Mehrheit nicht zustande gekommen. Die FDP zeigt, dass sie auf sich selbst setzt. Doch mit diesem Poker um eine stabile Regierung werden gefährliche Kräfte geweckt, findet der Autor: "Nun bleibt nur noch der Versuch, die SPD aus ihrer selbst gewählten Oppositionsrolle zu locken. Sonst könnte es erstmals seit der Weimarer Republik vorzeitige Neuwahlen nicht zur Bestätigung einer Koalition wie 1982 und 2005 geben, sondern wegen erwiesener Unfähigkeit, eine Regierung zu bilden."

Das Interview des Tages (mit Michael Vassiliadis)

Der Sozialdemokrat und Gewerkschaftschef spricht im Welt-Interview über das Scheitern der Jamaika-Sondierungen, Wahlkampf an Weihnachten und zu starke Ideologien der Parteien. "Ach, das will ich niemandem vorwerfen. Aber man braucht einen einigermaßen geklärten Blick auf die Fakten. Bei den Fakten muss man sich einig sein, auch wenn man sie unterschiedlich bewertet. Das ist bei uns auch so: Die Arbeitgeber wollen ihr Geld behalten, wir wollen mehr davon haben - aber alle, die am Tisch sitzen, sind sich einig darüber, was die Unternehmen im vorangegangen Jahr verdient haben." 

Der Sportler des Tages (von Christian Witt)

Eigentlich war er von Mönchengladbach nur als junger Ergänzungsspieler und Profi für die mittelfristige Zukunft geholt worden. Denis Zakaria aber spielt gleich eine Bundesligasaison zum Niederknien. Der Schweizer Nationalspieler hat die mit 91,9 Prozent beste (Erfolgs-)Passquote. Er hat in den 12 Spielen zudem die beste Abfangjägerquote der Liga.

Überm Strich! Karrierechancen (von Mario Lips)

In der Kindheit mag ein großer Bruder viele Vorteile bringen - im späteren Leben hat dann dieser jedoch meist die Nase vorn. Wer nicht das erste Kind seiner Mutter ist, steht im Gegensatz zu den älteren Geschwistern meist schlechter da. Warum diesr Nachteil so gravierend ist, konnten Forscher des Max-Planck-Instituts in Rostock jetzt in einem ersten Erklärungsversuch belegen. Erstgeborene zeigen eine größere Vorliebe für anspruchsvolle Studienfächer, die sich auch im späteren Berufsleben auszahlen. Zweitgeborene hatten demnach mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit Studiengänge wie Kunst, Pädagogik oder Journalismus angefangen als der ältere Bruder oder die ältere Schwester. Auf der anderen Seite war die Wahrscheinlichkeit eines äußerst lernintensiven Studiums wie Medizin oder Ingenieurwesen wesentlich geringer. Die Wahl der Karriere-Fächer hing überraschenderweise nicht von besonders guten Leistungen der Erstgeborenen in der Schule ab, sondern wird vermutlich von der häuslichen Umgebung der Kinder maßgeblich beeinflusst. Diese prägt die Vorlieben.



Redenschreiber J. Rieger. Diskret. Stilsicher. Verlässlich.