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Interview des Monats

 

Währungsexperte und Jubilar Otmar Issing über offene Märkte und eine geschlossene Union

 

Prof. Dr. Otmar Issing.
Prof. Dr. Otmar Issing.

Herr Professor Issing, durch die Globalisierung sind die Märkte enger miteinander verbunden als jemals zuvor. Ist dies ein Segen oder ein Fluch? Otmar Issing: Die Globalisierung hat hunderte von Millionen Menschen aus bitterer Armut befreit. Gerade in den reichen Ländern fühlen sich jedoch breite Schichten in ihrem Wohlstand bedroht. Im wachsenden Widerstand gegen das transatlantische Handelsabkommen TTIP offenbaren sich ökonomisch gesehen vorwiegend irrationale Ängste.

Wie kann man noch mehr Menschen weltweit von der Faszination offener Märkte begeistern?Issing: Begeistern ist zu viel verlangt. Aber die Vorteile eines möglichst freien Handels  lassen sich schon erklären – vorausgesetzt es besteht die Bereitschaft zur rationalen Diskussion.

Viele Länder ächzen unter dem extrem gefallenen Ölpreis, andere profitieren im starken Maße. Was bedeutet der Preisverfall für die gesamte Weltwirtschaft? Issing: Per Saldo sollte der niedrige Ölpreis wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm auf die Weltwirtschaft wirken. Schließlich profitieren gerade die bevölkerungsreichsten Länder wie China und Indien, aber auch viele Industrieländer wie Deutschland vom billigen Öl. Allerdings stellen die Verwerfungen in den Förderländern ein erhebliches Gegengewicht dar.

Auch die Devisenmärkte sind in jüngerer Zeit ordentlich durcheinander geraten. Welche Währungen werden sich in Zukunft behaupten? Issing: Ich werde mich auf meine alten Tage nicht aufs Glatteis von Wechselkursprognosen begeben. Der Dollar wird jedoch auf absehbare Zeit seine führende Position behaupten und der Euro wird weiter den zweiten Platz einnehmen. Wann die chinesische Währung eine dem großen Potenzial des Landes entsprechende Rolle spielen wird, lässt sich im Moment nicht vorhersagen.

Weshalb sollten wir in Europa eine Politische Union anstreben? Issing: Die Währungsunion ist derzeit wohl weiter denn je von einer Politischen Union entfernt. Diese bleibt allenfalls eine Vision für die fernere Zukunft. In der Flüchtlingskrise treffen unterschiedliche nationale Interesse besonders hart aufeinander. Statt Illusionen nachzujagen, sollte sich die Politik auf das Bewahren des Erreichten konzentrieren und dem Zug in Richtung weitere Zentralisierung Einhalt gebieten.

Ist das deutsche Geschäftsmodell für die Zukunft gut gerüstet oder sehen Sie die Gefahr, dass wir abgehängt werden? Issing: Hier liegt die zentrale Herausforderung für die Zukunft. Wenn etwa die deutsche Automobilindustrie die rasante Entwicklung in der Digitalisierung verpasst, ist es mit dem deutschen Exportwunder schnell vorbei. Für die vielen mittelständischen Unternehmen, die sogenannten Hidden Champions, gilt das Gleiche, hoffentlich mit weniger Grund zur Sorge.

Mein ausführliches Interview mit dem früheren EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing anlässlich seines 80. Geburtstages finden Sie in der Fachzeitschrift WiSt (04/2016)

 Redenschreiber J. Rieger. Diskret. Stilsicher. Verlässlich.