Redner des Monats

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin.
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin.

"Gepriesen sei der Herr, […] dass er mich heute hier sein lässt." Mit diesem Satz aus dem Alten Testament begann und beendete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Januar seine Rede in Yad Vashem. Er verwendete dafür sogar die hebräische Sprache. Diese Offenbarung war eine Art Türöffner für seine Erinnerungsworte. Steinmeier machte an dieser Holocaust-Gedenkstätte vom ersten Augenblick an den Kniefall – im übertragenen Sinne. Und er hob in der Folge ein Quartatt nach oben, das unfassbares Leid erfahren musste. Steinmeier nannte die vier Opfer ganz konkret beim Namen – und zitierte aus deren Leben.

 

Auch die Schuldfrage beantwortete der Bundespräsident unmissverständlich – mit seinem eigenen Volk. „Der industrielle Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden, das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte – es wurde von meinen Landsleuten begangen.“ Steinmeier weiß natürlich, dass praktisch alle heute noch lebenden Deutschen völlig unschuldig am Holocaust sind.

 

Doch er nimmt sie auch 75 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager in die Pflicht. „Die Flamme von Yad Vashem erlischt nicht. Und unsere deutsche Verantwortung vergeht nicht“, sagte der Bundespräsident in seiner bewegenden Rede in Jerusalem: „Ihr wollen wir gerecht werden. An ihr, liebe Freunde, sollt Ihr uns messen.“

 

Kurz darauf haben seine Redenschreiber die Worte gewählt, die am meisten nachhallten. Diejenigen, die hinterher so gut wie jedes Medium aufgriffen hat. „Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt“, erklärte Steinmeier und schob hinterher: „Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten. Das kann ich nicht sagen, wenn jüdische Kinder auf dem Schulhof bespuckt werden. Das kann ich nicht sagen, wenn unter dem Deckmantel angeblicher Kritik an israelischer Politik kruder Antisemitismus hervorbricht. Das kann ich nicht sagen, wenn nur eine schwere Holztür verhindert, dass ein Rechtsterrorist an Jom Kippur in einer Synagoge in Halle ein Massaker, ein Blutbad anrichtet.“

 

Gegen Ende seiner knapp zehnminütigen Ansprache erneuerte Steinmeier auf beeindruckende Weise sein Versprechen vor den Augen der Welt. „Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ihr Redenschreiber J. Rieger. Authentisch. Stilsicher. Verlässlich.